Lohnt sich Riester Rente?

Lohnt sich Riester Rente

Stellst du dir auch die Frage „Lohnt sich Riester“? Dann bist du hier genau richtig.

Wir bekommen von allen Seiten erzählt, dass die gesetzliche Rente vor allem bei jungen Menschen nicht reichen wird. So wird man dazu motiviert, privat vorzusorgen.

Die Riester-Rente ist eine mögliche Lösung des allgegenwärtigen Altersvorsorge-Problems, die jedoch auch ihre Besonderheiten hat. Um eine fundiere Entscheidung darüber zu treffen, ob Riester sich lohnt, sollte man schon eine Ahnung davon haben, wie dieses Vorsorgemodell funktioniert. Genau darüber geht es in diesem Beitrag.

Wir schauen auf die Vor- und Nachteile von Riester-Rente und finden heraus, worauf man beim Vertragsabschluss achten sollte. Anschließend rechnen wir ein wenig, um herauszufinden, für wen sich die Riester-Rente lohnt.

 

Wie funktioniert Riester-Rente?

Was ist das eigentliche Altersvorsorge-Problem?

Lohnt sich Riester Rente

Im Rentenalter benötigt man etwa 80 Prozent des letzten Einkommens, um den gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten zu können. Das ist eine ziemlich pauschale Faustregel und trifft natürlich nicht bei jedem zu. Eine bessere Schätzung haben wir jedoch nicht, so dass wir damit weiterrechnen müssen.

Es steht jetzt schon fest, dass die Rente vom Staat alleine nicht ausreichen wird, um diese benötigten 80 Prozent zu decken. Dies gilt umso stärker bei jungen Leuten.

Wenn man im Alter keine zusätzlichen Einnahmen hat, muss man also privat vorsorgen. Oder den Lebensstandard im Rentenalter herunterschrauben. Dabei will man ja gerade den Lebensabend interessant und abwechslungsreich verbringen. Wenn man jedoch nicht frühzeitig vorsorgt, wird es wohl kaum möglich sein.

Wann wurde das Riester-Modell ins Leben gerufen?

Zum 1. Januar 2002 wurde mit Riester-Rente eine staatlich geförderte private Altersvorsorgemöglichkeit eingeführt. Sie war vor allem dazu gedacht, die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus auszugleichen. Der ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester war so stolz auf sein „Baby“, dass die Rente sogar nach ihm benannt wurde.

Die Riester-Rente lockt die Bundesbürger auch heute noch mit staatlichen Zulagen und Steuerersparnissen. Sie sollen dadurch motiviert werden, frühzeitig fürs Alter vorzusorgen.

Wer bekommt die Riester-Bonbons vom Staat?

Die staatlichen Zulagen gibt es für diejenigen, die mindestens 4 Prozent ihres Vorjahres-Bruttoeinkommens (abzüglich der staatlichen Zulagen) in den Riester-Vertrag einzahlen. Es sollen dabei mindestens 60 Euro und maximal 2.100 Euro pro Jahr fließen.

Ist diese 4%-Voraussetzung erfüllt, gibt es vom Staat eine Grundzulage von 154 Euro pro Jahr. Für jedes Kind bekommt man weitere 185 Euro und für jedes von 2008 an geborenes Kind – sogar 300 Euro pro Jahr. So wird nebenbei sogar das Kinderkriegen belohnt. 😉

Das Riester-Prinzip anhand eines kleinen Beispiels

  • Der Riester-Kunde hat ein Bruttoeinkommen von 40.000 Euro im Vorjahr gehabt.
  • Er hat zwei Kinder, geboren in 2009 und 2011.
  • Er muss für den Riester-Vertrag 4% seines Einkommens aufbringen, das sind 4% von 40.000 Euro = 1.600 Euro in diesem Jahr.
  • Die Zulagen sehen wie folgt aus:
    • 154 Euro für ihn
    • 300 Euro fürs erste Kind (geboren nach 2008)
    • 300 Euro fürs zweite Kind (geboren nach 2008)
    • Gesamtbetrag der Zulagen: 754 Euro
  • Die Zulagen werden von seinem Riester-Beitrag abgezogen, das heißt er muss statt 1.600 Euro nur 846 Euro in den Vertrag einzahlen, um die volle Summe der Zulagen vom Staat zu bekommen.
  • Mit anderen Worten: Der Riester-Kunde zahlt pro Jahr 846 Euro ein und bekommt dafür 754 Euro an Zulagen. Auf den ersten Blick ist das kein schlechtes Geschäft.
  • Deshalb lohnt es sich, dieses Altersvorsorge-Modell etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, um eine fundierte Antwort auf die Frage „Lohnt sich Riester Rente?“ zu formulieren.

Ein paar interessante Details zum Riester-Modell

Lohnt sich Riester Rente

Es gibt im Riester-Modell natürlich ein paar Einschränkungen – zum Beispiel gibt es die Kinderzulage nur, solange Kindergeld-Anspruch besteht. Das ist bei Ausbildung/Studium der Sprösslinge grundsätzlich bis zum 25. Lebensjahr der Fall.

Alternativ zu den Zulagen können die Sparer ihre Riester-Einzahlungen auch als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Zu diesem Zweck führt das Finanzamt eine „Günstigerprüfung“ durch und findet so heraus, ob eine Zulage oder eine Sonderausgabe im konkreten Fall in Frage kommt.

Dabei hat der Kunde im Rahmen der Riester-Rente die Qual der Wahl, was die Sparprodukte angeht. Möglich sind Rentenversicherungen, Investmentfonds, Banksparpläne, Bausparprodukte und Immobilien. Darauf gehen wir jetzt etwas ausführlicher ein.


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Welche Form der Riester-Rente lohnt sich für mich?

In diesem Abschnitt gehen wir kurz auf die unterschiedlichen Typen von Riester-Verträgen und finden heraus, welcher Riester-Typ sich für welchen Kunden eignet.

Es gibt 5 grundsätzliche Typen von Riester-Verträgen:

1) Klassische Rentenversicherung

Die klassische Rente hat eine feste Verzinsung, die aufgrund des aktuellen Zinsniveaus jedoch sehr niedrig ist. Auch eine mögliche Zusatzrendite fällt gering aus.

Bei einer Rentenversicherung fallen, wie bei den meisten kapitalbildenden Versicherungsprodukten, hohe Abschlusskosten an. Sie machen dieses Riester-Produkt ziemlich unflexibel, denn bei einem Wechsel gehen sie verloren.

Die Rentenversicherung lohnt sich nur dann, wenn man auch wirklich vorhat, dieses Riester-Produkt bis zum Ende der Laufzeit durchzuziehen. Aufgrund der hohen Abschlussprovision empfiehlt sich eine Mindestlaufzeit von 12-15 Jahren.

2) Fondsgebundene Rentenversicherung

Dieses Produkt ist eine Mischung aus klassischer Rentenversicherung und einem Investmentfonds-Sparplan.

Es gibt keine garantierte Rentenhöhe, dafür aber hohe Zusatz-Renditechancen am Kapitalmarkt. Diese Renditechancen resultieren daraus, dass ein Teil der Riester-Beiträge in einen Investmentfonds investiert werden. Gehen die Börsenkurse nach oben, wächst auch die Rendite. Leider gilt es umgekehrt genauso.

Die Abschluss- und Verwaltungskosten sind hoch, denn sie fallen sowohl auf der Seite der Versicherung als auch beim Fondsverwalter an. Beide Seiten wollen für ihre Leistung angemessen entlohnt werden.

Die hohen Kosten machen dieses Produkt ebenfalls ziemlich unflexibel. Die Kapitalmarktschwankungen bedeuten ein höheres Risiko, aber auch eine höhere Chance.

Das Chancen-Risiko-Profil kann der Riester-Kunde beeinflussen, indem er sich für einen bestimmten Investmentfondstyp entscheidet (konservativ, ausgeglichen oder dynamisch).

Aufgrund der hohen Kosten und der Kapitalmarktschwankungen empfiehlt sich für dieses Riester-Produkt eine Mindestlaufzeit von 20 Jahren.

3) Investmentfonds-Sparplan

Man kann auch gänzlich auf den Rentenversicherungs-Baustein verzichten und stattdessen nur in Investmentfonds investieren. Die bereits erwähnten Chancen/Risiken am Kapitalmarkt gelten hier natürlich genauso.

Die Gebühren sind im Regelfall niedriger als bei einer fondsgebundenen Rente, denn auf der Rechnung steht hier nur der Fondsmanager, der neben einem Ausgabeaufschlag eine regelmäßige Verwaltungsvergütung für die Kapitalanlage sehen möchte.

Das Produkt ist im Endeffekt eine kostenbewusstere Alternative zu der fondsgebundenen Rentenversicherung.

Die Mindestlaufzeit des Fondssparplans sollte aufgrund der Kapitalmarktfluktuationen ebenfalls bei 20 Jahren angesetzt werden.

4) Banksparplan

Ein Banksparplan ist der flexibelste von allen Riester-Vertragstypen. Leider gibt es bei den Banken derzeit nur Mikro-Zinsen, dafür fallen aber auch kaum Kosten an.

Man kann aus einem Banksparplan heraus jederzeit und ohne Verluste in ein anderes Riester-Produkt wechseln (zum Beispiel nach einem Börsen-Crash in einen Fondssparplan?).

Dementsprechend gibt es hier auch keine Anforderungen an eine Mindest-Vertragslaufzeit. Sozusagen alles kann, nichts muss. 😉

5) Wohn-Riester

Mit Wohn-Riester lassen sich Immobilien finanzieren – entweder sofort oder später. Wenn der Kauf oder Bau sofort erfolgen sollen, erhält man ein Riester-Darlehen. Ist die Entscheidung für die Zukunft geplant, kommt der Riester-Bausparvertrag in Betracht. Außerdem gibt es mit Riester Kombi-Kredit eine Kombination dieser beiden Produkte.


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Lohnt sich Riester Rente aufgrund ihrer Vorteile?

Bevor wir weitermachen, fasse ich mal kurz die grundlegenden Vorteile von Riester-Rente zusammen:

  • Es handelt sich um ein langfristig orientiertes Vorsorgeprodukt.
  • Es gibt 5 grundsätzliche Riester-Varianten mit unterschiedlichsten Profilen, die zudem noch durch individuelle Ausgestaltung weiter verfeinert werden können.
  • Je nach persönlicher Situation und dem Verhältnis Einkommen/Zulagen kann Riester eine ordentliche Rendite bringen – im günstigsten Fall über 8% jährlich.
  • Riester-Sparbeträge lassen sich steuerlich berücksichtigen und führen im Jahr der Einzahlung zu einer Minderung der Steuerlast.

Unsere Überlegungen zu der Frage „Lohnt sich Riester“ wären natürlich nicht vollständig, wenn wir nicht auch noch die Nachteile dieser Vorsorgeform genannt hätten.

 

Lohnt sich Riester Rente trotz ihrer Nachteile?

Lohnt sich Riester Rente

Jetzt kommen die grundlegenden Nachteile von Riester-Verträgen:

  • Je nach Riester-Variante handelt es sich um hochkomplexe und teilweise sehr intransparente Vorsorgeprodukte.
  • Vor allem bei klassischer und fondsgebundener Rentenversicherung sind die Abschluss- und Verwaltungskosten relativ hoch. Sie fressen einen Teil der Renditen oder gar der staatlichen Zulagen weg, vor allem in den Anfangsjahren.
  • Je höher die Kosten sind, desto unflexibler sind die Riester-Produkte. Denn wenn man in den ersten Jahren kündigt, haben sich diese Kosten oft noch gar nicht amortisiert. Dahinter steckt eine ähnliche Logik wie bei einer Lebensversicherung – bis der Rückkaufswert positiv wird, vergeht das eine oder andere Jahr.
  • Während der Staat die Altersvorsorge steuerlich begünstigt, nimmt er einen Teil der gewährten Steuer-Vorteile im Alter wieder weg. Die späteren Auszahlungen aus der Riester-Rente müssen nämlich in voller Höhe versteuert werden.
 

 

Für wen lohnt sich Riester definitiv nicht?

Während wir die Frage „Für wen lohnt sich Riester“ etwas ausführlicher beantworten werden, können wir aber jetzt schon sagen, für welche Kundengruppe sich diese Art der Altersvorsorge definitiv nicht in Frage kommt.

Die Riester-Rente macht vor allem bei älteren Geringverdienern keinen Sinn. Wenn sie ohnehin nur geringe Rentenansprüche erwarten und ihr Rentenalter bald eintritt, wird Riester-Sparen für sie umsonst gewesen sein.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Die Auszahlungen aus der Riester-Rente werden auf die staatliche Grundsicherung angerechnet. Ein Geringverdiener, der auf die Grundsicherung angewiesen ist, bekommt dann in Summe trotzdem die Grundsicherung und hat die Riester-Beträge umsonst geleistet. Deshalb lohnt sich Riester Rente für ihn definitiv nicht.


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Für wen lohnt sich Riester besonders?

Auf der anderen Seite lohnt sich Riester Rente vor allem bei jungen Menschen, die die staatliche Förderung voll ausschöpfen können.

Ein extremes Beispiel ist eine junge Hausfrau mit einem vergleichsweise geringen eigenen Einkommen und vielen kleinen Kindern. Bei drei Kindern muss sie zum Beispiel nur die Mindesteinzahlung von 60 Euro im Jahr leisten, bekommt dafür aber über 1.000 Euro an Riester-Zulagen.

 

Fazit: Lohnt sich Riester Rente für mich?

Lohnt sich Riester Rente

Wir haben uns gerade die extremen Beispiele angeschaut, in denen sich Riester definitiv lohnt beziehungsweise nicht lohnt.

Bei allem, was dazwischen liegt, ist die Frage „Lohnt sich Riester für mich“ eine Sache der persönlichen Situation, der Einkommensverhältnisse sowie der langfristigen Planung.

Dafür lohnt es sich, in einer ruhigen Minute einen Taschenrechner in die Hand zu nehmen und die Höhe der erforderlichen Riester-Einzahlungen sowohl den staatlichen Zulagen, als auch den voraussichtlichen Renditen gegenüberzustellen.

Vor allem sollte das finanzielle Input/Output der Riester-Verträge den anderen verfügbaren privaten Vorsorgeformen gegenübergestellt werden. Nur so kann man den für sich optimalen Weg zu finanzieller Stabilität im Alter bestimmen.

Dabei muss man leider festhalten, dass es derzeit nicht sehr viele wirklich kostengünstige und renditebringende Altersvorsorge-Produkte am Markt gibt. Die meisten der auf Langfristigkeit ausgelegten Finanzprodukte sind leider zu intransparent, kostenintensiv und unsicherheitsbehaftet.

Entscheidet man sich für einen Riester-Vertrag, so sind jedenfalls folgende Punkte wichtig:

Lohnt sich Riester Rente

  • Kosten sind ein wichtiger Faktor und können darüber entscheiden, was von dem Ersparten im Endeffekt übrig bleibt. Deshalb sollte man beim Vertragsabschluss verstärkt auf Kosten schauen – das gilt insbesondere bei Riester-Versicherungsprodukten (Leben oder Rente).
  • Der nächste wichtige Aspekt ist die garantierte Mindestrente. Sie wird logischerweise auch von den anfallenden Kosten beeinflusst, so dass sie einen guten Indikator des Preis-Leistungs-Verhältnisses von Riester-Verträgen darstellt.
  • Wenn man einen Immobilienbau oder -kauf plant, sollte man sich unbedingt die Wohn-Riesterverträge anschauen. Dann kann das Riester-Guthaben samt staatlichen Zulagen zur Deckung von Zinsen oder Tilgung verwendet werden, was ich sehr praktisch finde.
  • Ein gutes Riester-Produkt sollte zudem flexibel genug sein, und auch mal eine temporäre Beitragsfreistellung erlauben. Dadurch wird berücksichtigt, dass sich im Leben vieles ändern kann. Durch zeitweise Zahlungsaussetzungen sollten keine Zulagenansprüche verloren gehen.
  • Am günstigsten und am flexibelsten sind die Banksparpläne. Auch wenn die Zinsen momentan sehr niedrig sind, kann sich die Situation in Zukunft ändern. So kann diese Riester-Sparform, die mangels Vermittlungsprovisionen kaum vom Finanzvertrieb beworben wird, schnell an Attraktivität gewinnen.
  • Ich persönlich würde bei langer Vertragslaufzeit (20 Jahre oder mehr) einen Fondssparplan allen anderen Lösungen vorziehen. Das Verhältnis von Risiko/Chance und Kosten ist aus meiner Sicht bei solch langen Laufzeiten attraktiv genug.
  • Bei kurzer Vertragslaufzeit würde ich hingegen zu einem Banksparsplan tendieren, da mir die Flexibilität in diesem Fall wichtiger wäre als die Rendite.
  • Eine neutrale Beratung ist bei einem solch intransparenten Finanzprodukt das A und O. Vor allem soll die Beratung nicht nur die Ansparphase, sondern auch die spätere Auszahlphase mit abdecken. Dort gibt es nämlich ebenfalls einiges zu beachten, was die Riester-Rente nicht unbedingt einfacher macht.

 

Lohnt sich Riester Rente aus deiner Sicht?

Deine Meinung ist mir wichtig, deshalb habe ich hier eine kleine Abstimmung eingebaut.

Außerdem würde ich mich natürlich über deinen Kommentar freuen!


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Weiterführende Infos:
https://www.test.de/Riester-im-Test-So-finden-Sie-die-richtige-Riester-Sparform-1602786-0/


1 Kommentar zu Lohnt sich Riester Rente?

  1. Thomas
    13. April 2016 at 10:08 (5 Jahren ago)

    Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen und Hinweisen. Das wird sicherlich einigen eine große Hilfe sein, denn in diesem Bereich kommen ja doch immer noch viele Fragen auf.

    Antworten

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